Die Deutsche Abteilung des Lycée International

Das Profil der Deutschen Abteilung im internationalen Umfeld

fahnenDie Deutsche Abteilung gehört zu den ältesten und traditionsreichsten Abteilungen des Lycée International. Mit ihren etwa 620 Schülern zählt sie neben der britischen und der amerikanischen Abteilung zu den drei größten des Lycée International. Der Unterricht wird von deutschen mutter-sprachlichen Lehrern mit deutschem Staatsexamen erteilt. Die Finanzierung geschieht aus Mitteln des deutschen Außenministeriums. Schulgeld wird nicht erhoben.

Die Deutsche Abteilung des Lycée International hat das Ziel, Schülern mit Deutsch als Mutter- oder Zweitsprache eine anspruchsvolle bikulturelle Schulbildung zu vermitteln und dabei die Vorzüge einer internationalen Lernumgebung zur Geltung zu bringen. Neben einer Allgemeinbildung auf hohem Niveau bilden kulturelle Offenheit und eine gut beherrschte Mehrsprachigkeit die Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit.

Je nach deutschem Sprachniveau bieten wir zwei unterschiedliche Abschlüsse an: Zum einen die Deutsche Allgemeine Hochschulreife (Abitur) im Rahmen des Internationalen Französischen Baccalauréat (OIB – Option Internationale du Baccalauréat), d.h. ein deutsch-französisches Doppelabitur, zum anderen das Deutsche Sprachdiplom Stufe II (B2-C1) der Kultusministerkonferenz zusätzlich zum klassischen französischen Baccalauréat. Inhaltlich sind diese Abschlüsse auf deutscher Seite unterschiedlich zugeschnitten, formal berechtigen sie beide zum Studium an deutschen und französischen Hochschulen.

Auf nahezu allen Klassenstufen besteht für Muttersprachler die Möglichkeit, vom Lycée International ins deutsche Schulsystem zu wechseln und umgekehrt.

Mit ihren Ideen und ihrem Engagement wirken unsere Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam darauf hin, dass die gesteckten Schulziele erreicht werden und dass die Deutsche Abteilung ihren unverwechselbaren Beitrag leistet zur Weiterentwicklung und Pflege der kulturellen Vielfalt am Lycée International. Dazu gehören Traditionen und Feste im Wechsel der Jahreszeiten wie auch eine breite Palette von Studienfahrten, Austauschprogrammen, Lesungen, Konzerten, Ausstellungen und Theaterprojekten.

Interessant zu wissen: der Zeitschrift „L‘Etudiant“ zufolge (Ausgabe 12/2006) belegte das Lycée International Platz 3 auf der Liste der 48 besten Lycées in Frankreich.

Der Unterricht in der Deutschen Abteilung

Der Unterricht in der Deutschen Abteilung erstreckt sich auf alle Klassenstufen vom Kindergarten (Maternelle) bis zur 12. Klasse (Terminale). Er umfasst sechs bis acht Wochenstunden und wird ab dem ersten Schuljahr in der Regel dreizügig, d.h. in drei parallelen Klassen erteilt.

Für die meisten Schüler der Kindergarten- und Grundschulklassen gilt, dass sie die französische Grundschule ihres Wohnortes besuchen und als sogenannte «Externe» nur an zwei halben Tagen – einmal am Vormittag und einmal am Nachmitag – zum Unterricht der Abteilung ins Lycée International kommen.

Im Kindergarten gibt es zwei Klassenstufen: Die Maternelle 2 für die Vier- bis Fünfjährigen und die Maternelle 3 für die Fünf- bis Sechsjährigen.

Auf der Stufe der Maternelle 3 gibt es im Lycée International auch eine französische Klasse, in der von jeder Abteilung einige wenige Plätze in Anspruch genommen werden können. Vergleichbares gilt für alle Grundschulklassen des LI, sodass hier auf jeder Stufe einigen Kindern ein Vollzeit-Platz angeboten werden kann. Diese Kinder werden als «Interne» geführt, d.h. im Gegensatz zu den «Externen» absolvieren sie auch das französische Lernprogramm am Lycée International.

Die Arbeit in den deutschen Maternelle-Klassen orientiert sich an der deutschen Kindergartenpädagogik mit einem Schwerpunkt auf spielerischer und musischer Betätigung. Ziel ist es, den Kindern Freude und Sicherheit beim Gebrauch des Deutschen zu vermitteln. Die Maternelle 3 hat den Charakter einer Vorschulklasse und verstärkt die systematische Spracharbeit.

Außer am Lycée selbst gibt es weitere Klassen der Deutschen Abteilung auch in der Ecole Charles Bouvard in der Nachbargemeinde Fourqueux (1. bis 5.Klasse) sowie am Collège « Les Hauts Grillets » in Saint-Germain-en-Laye, 600 Meter vom Lycée entfernt (6. bis 9. Klasse).

Unabhängig vom Standort wird der Unterricht von Lehrern der Deutschen Abteilung nach gemeinsamen Lehrplänen erteilt.

Deutsch als Muttersprache - Deutsch als Zweitsprache

Deutsch als Muttersprache (EN1) – Deutsch als Zweitsprache (EN2)

Je nach Sprachniveau werden die Schüler der Deutschen Abteilung ab der Grundschule in zwei unterschiedlichen Zweigen unterrichtet und auf zwei unterschiedliche Abschlussprüfungen vorbereitet:

Diejenigen, die Deutsch auf muttersprachlichem Niveau beherrschen, folgen dem Unterricht in sogenannten «Enseignement National 1» (EN1)-Klassen und legen zum Abschluss im Rahmen des französischen Baccalauréat (OIB) unter der Aufsicht eines Beauftragten der Deutschen Kultusministerkonferenz schriftlich und mündlich deutsche Abiturprüfungen in den Fächern Deutsch und Geschichte/Geographie/Gemeinschaftskunde ab.

Der Unterricht in den EN1-Klassen umfasst sechs, ab der 10. Klasse (Seconde) acht Wochenstunden. Er folgt deutschen Richtlinien und Methoden sowie deutschen, ggf. mit den französischen Behörden abgestimmten Lehrplänen. In allen Klassenstufen sind die Schüler auf einem sprachlichen Niveau, das ihnen den Wechsel an eine deutsche Schule im In- oder Ausland jederzeit erlaubt.

Von der 1. bis zur 5. Klasse (11ème – 7ème) liegt der Schwerpunkt des Unterrichts auf der Sprach-, Schreib- und Leseerziehung. Die Spracharbeit wird in gewissem Umfang durch Sachunterricht ergänzt, ab der 4. Klasse (8ème) durch Geschichtsunterricht.

Ab der 6. Klasse (6ème) teilt sich der Unterricht der Deutschen Abteilung in vier Stunden Deutsch und zwei Stunden Geschichte. In der Oberstufe (2nde – Terminale) kommen zwei Stunden Gemeinschaftskunde hinzu.

Diejenigen Schüler, die Deutsch als Zweitsprache sprechen, folgen dem Unterricht in eigenen, sogenannten «Enseignement National 2» (EN2)-Klassen und legen am Ende ihrer Schulzeit die Prüfung zum Deutschen Sprachdiplom C1 der Kultusministerkonferenz ab, zusätzlich zum klassischen französischen Baccalauréat. Beide Prüfungen zusammen berechtigen zum Studium an einer deutschen Hochschule ohne die sonst obligatorische Sprachprüfung.

Bei den EN2-Schülern handelt es sich in der Regel um Kinder von deutsch-französischen Eltern oder um Kinder aus französischen Familien, die längere Zeit im deutschsprachigen Ausland gelebt und fundierte Sprachkenntnisse erworben haben. In die EN2-Klassen können gegen Ende der Collège-Zeit auch französische Kinder und Jugendliche mit Deutsch als erster Fremdsprache (LV1) aufgenommen werden, die für das Deutsche eine besondere Motivation und Begabung mitbringen und durch ihr Leistungsniveau auch in den anderen Fächern unter Beweis stellen, dass sie den vielfältigen Ansprüchen des Lycée International gewachsen sind.

Der EN2-Unterricht erfolgt parallel zu dem der EN1-Klassen durch deutsche Lehrer mit deutscher Lehrbefähigung. Gute und sehr antriebsstarke EN2-Schüler können ein muttersprachliches Niveau erreichen. Ihnen kann bis zur Seconde vorgeschlagen werden, in den EN1-Zweig zu wechseln und mit den entsprechenden OIB-Prüfungen abzuschließen.

Das Konzept zur Sprachförderung

Umfangreicher Wortschatz, idiomatisch sicheres Sprechen, Beachtung grammatischer Regeln – das alles ist keine Selbstverständlichkeit für Kinder, die in der Grundschule der Deutschen Abteilung aufgenommen werden. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, die sie mitbringen.

Einige haben Eltern, die beide deutsche Muttersprachler sind, mit ihren Kindern zu Hause nur deutsch sprechen und sich unter Umständen nur für eine kurze Zeit in Frankreich aufhalten.
Andere haben einen deutschsprachigen Vater und eine frankophone Mutter, die untereinander und mit den Kindern überwiegend französisch sprechen, in den Ferien auch einmal zu Verwandten in ein deutschsprachiges Land reisen, aber doch so fest im französischen Umfeld verwurzelt sind, dass sie natürlicherweise selten miteinander deutsch sprechen.
Noch einmal anders können die Rahmenbedingungen bei einer deutschsprachigen Mutter und einem frankophonen Vater sein oder auch bei Eltern, die als französische Muttersprachler längere Zeit in Deutschland gelebt haben, deren Kinder dort aufgewachsen sind und ein besonderes Interesse für die deutsche Sprache mitbringen.

Aus solchen höchst unterschiedlichen Rahmenbedingungen ergeben sich bei unseren Schülern vielfältige Abstufungen in der Fähigkeit, sich im Deutschen sprachlich und sachlich angemessen auszudrücken.
Der Deutschunterricht muss einen Weg finden, darauf flexibel reagieren, und gleichzeitig so konzipiert sein, dass möglichst viele Schüler je nach ihren sprachlichen Möglichkeiten möglichst optimal gefördert werden. Sowohl Überforderung als auch Unterforderung sind zu vermeiden: Wer noch etwas Mühe hat, soll nicht unnötig unter Druck geraten oder sich abgehängt fühlen. Wer schon etwas weiter ist, sein Pensum bewältigt hat, soll nicht auf der Stelle treten müssen und aus Langeweile die Lust am Lernen verlieren.
Kurz: Es kommt in allen Fällen darauf an, Defizite und Potenziale zu erkennen und darauf mit den passenden Lernschritten zu reagieren.

Die Deutsche Abteilung hat das Bestreben, die sprachlich zunehmend heterogenen Schüler differenziert zu fördern. Deshalb wird folgendes Konzept dauerhaft umgesetzt:

Mit Beginn der Grundschulzeit bietet die Deutsche Abteilung den Schülern Unterricht in zwei Sprachniveaus an: Deutsch für Muttersprachler (EN1) und Deutsch für Zweitsprachler (EN2). Die Aufteilung in Sprachniveaus wird von der ersten Grundschulklasse (11ème) bis zur Terminale durchgängig praktiziert – siehe Tabelle.
Dabei besteht für EN2-Schüler, die sprachlich besonders zügig vorankommen, bei entsprechender Empfehlung ihres Lehrers bis zum Ende der 2nde die Möglichkeit, ins EN1 zu wechseln.
Erwünschte außerschulische Fördermaßnahmen:

  • Pflege der deutschen Sprache in den Familien – eine Selbstverständlichkeit, die keine ist.
  • Regelmäßige Aufenthalte längerer Dauer in Deutschland
  • Angebote deutscher Medien nutzen:
    Bücher, Filme, Fernsehen, Hörspiele, Lernspiele am PC, Internet, Kinderzeitschriften
  • Deutschsprachige soziale Kontakte schaffen:
    Treffen mit Freunden, Besuch aus Deutschland, Au-pair aus Deutschland
  • Wahrnehmen des deutschsprachigen Kulturangebots im Umfeld der Schule

Kriterien beim Übergang in die nächsthöhere Schulstufe

Lycée International  – Deutsche Abteilung 

Entscheidungsverfahren beim Übergang in eine nächste Schulstufe

(Beschluss der Allgemeinen Lehrerkonferenz am 10.01.2011)

 

Grundsätzlich werden Versetzungs- bzw. Aufnahmeentscheidungen im Zusammenwirken zwischen den französischen Schulleitungen und der Deutschen Abteilung getroffen. Vor Eintritt in die gemeinsamen Beratungen erarbeitet die Deutsche Abteilung eine Laufbahnempfehlung, die sie der französischen Schulleitung zur abschließenden Beschlussfassung vorträgt.

Eine zustimmende oder ablehnende  Stellungnahme der Abteilung wird nach Maßgabe der folgenden Gesichtspunkte abgegeben:

Ein Schüler sollte in seinem Leistungsbild und in seinem Arbeitsverhalten deutlich erkennen lassen, dass er seinen Schulbesuch nach Übertritt in die 6ème  bzw. 2nde aller Voraussicht nach erfolgreich wird fortsetzen können.

Diese Erwartung ist im Allgemeinen begründet,

  • wenn ein ausgeglichenes und zufriedenstellendes Notenbild sowohl auf deutscher wie auf französischer Seite vorliegt.
  • wenn ein Arbeitsverhalten an den Tag gelegt wird, aus dem sich Ernsthaftigkeit, Motivation, Zielstrebigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber unserem bikulturellen Unterrichtsangebot ablesen lassen.
  • wenn Hinweise dafür vorliegen, dass der Schüler über ein zum « double enseignement » passendes Entwicklungs- und Entfaltungspotential verfügt. Dies wird sich insbesondere auch ablesen lassen an den kontinuierlichen Lernfortschritten, die im Bereich der sprachlichen Kompetenzen festzustellen sind.
  • wenn der Schüler in seinem familiären Umfeld eine spürbare Unterstützung erfährt.

Von diesen Kriterien machen wir in pädagogisch angemessener Weise Gebrauch, also so, dass wir das angestrebte Schulziel konsequent im Auge behalten und dabei den je spezifischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen, in denen sich Entwicklung, Reifung und Erkenntniszuwachs bei jungen Menschen vollziehen.

gez: N. Kremeyer, Leiter der Deutschen Abteilung

Saint-Germain-en-Laye, 21.01.2011